Inspiration

Bereits vor mehreren Wochen fuhr ich mit dem Plan, den Obersee am Ende des Königssees zu erreichen, los. Nach meinen Recherchen soll es einen vergessen Weg von der Halbinsel Hirschau, besser bekannt als Anlegestelle Sankt Bartholomä zum Obersee geben.

Königssee-Personal mit Flügelhorn
Kind auf Königssee-Boot beobachtet Natur

Dieses Vorhaben scheiterte aus mehreren Gründen. Als erstes war das Zeitfenster sehr kurz, da die Boote der Königsseeschifffahrt erst um 09.55 Uhr am Anleger Königssee in Richtung Sankt Bartholomä den Königssee überqueren und bereits um 16.30 für die letzte Rückfahrt ablegen. Bereits nach mehreren Kilometern in dem teilweise noch sehr hohen Schnee stellte ich fest, dass ich selbst nach einer erfolgreichen Begehung des Pfades das letzte Boot nicht mehr erreichen kann. Aus diesen Gründen brach ich meinen Plan an dieser Stelle ab und gelangte nur bis zu einer nicht bewirtschafteten Diensthütte, die sich in Richtung Funtensee befindet.

Hier festigte sich hier mein Plan, den Obersee noch vor der offiziellen Eröffnung der Anlegestelle Salet zu erreichen.

 

Hütte am Fuße des Watzmannes
Lanschaft Königssee Ufer
Boot erreicht Sankt Bartholomä
Königssee aus der Sicht des Kapitäns

Der Ostufersteig am Königssee

Nach weiterer Recherche auf der Onlineplattform www.alpenvereinaktiv.com fand ich einen eingezeichneten Weg, der immer entlang des östlichen Ufers des Königssees in Richtung Obersee führt.
Hier sind die wichtigsten Etappen der Königsbachwasserfall, die Bedarfshaltestelle Kessel und gegenüber der Kirche Sankt Bartholomä der Platz für die Hirsch- und Dammwildfütterung. Die Entfernung belief sich laut Planung rund 12 Kilometer, wobei ich rückblickend denke, dass die Entfernung um einiges länger war.
Einerseits musste ich zahlreiche Umwege in Kauf nehmen, da sich unzählige Windwürfe auf dem Weg befanden und auf der anderen Seite der Pfad oftmals im Gelände endete. Hierbei unterscheidet sich der Weg oft nicht zwischen Wildpfaden und wirklichen Wegen. An dieser Stelle möchte ich ausdrücklich vor einer Begehung warnen und klar stellen, dass absolute Trittsicherheit, Ausdauer und Schwindelfreiheit nötig ist.      

Zwischen Euphorie und Demut

Voller Energie und Erwartung startete ich vor Sonnenaufgang am Parkplatz Königssee und machte mich auf den Wanderweg in Richtung Malerwinkel am Ostufer des Sees auf. Hier konnte ich einen wunderbaren Sonnenaufgang sehen mit Blick auf das Ende des Königssees und der markanten Schönfeldspitze, die sich bereits im benachbarten Österreich befindet. Die ersten Kilometer am Ufer entlang vergingen schnell und ich erreichte bei immer noch sehr morgendlichem Sonnenschein die Bedarfshaltestelle Kessel und die Tür der Notunterkunft lud mich förmlich zum Weiterwandern ein.

Sonnenaufgang Königssee Ostufer
Blick auf Köigssee Kessel

Klangoase Königssee

Immer entlang zwischen steilen Wänden des Kessels und dem Ufer des Königssees ging es weiter. Es herrschte absolute Stille und nur ein leichtes Brummen störte in der Ferne die Stille. Wenig später kam der lokale Fischer um die Ecke und prüfte nahe am Ufer seine Reusen und fing frische Fische für die Touristen der Insel Sankt Bartholomä mit der angrenzenden Fischräucherei. Kurz darauf kündigt das Echo der weltberühmten „Echowand“ das erste Schiff der Königsseeschifffahrt an und der Kessel des Sees wird erfüllt von leichten Geräuschen der Touristengruppen aus Nah und Fern.

Fischer am Königssee

Diese Geräusche im Nacken erreichte ich die Halbinsel, auf der die Wildfütterung stattfindet und machte mich mit neuer Energie auf die letzte Etappe. Dennoch merkte ich bereits hier, dass dieser Weg doch länger ist und schaute mit etwas Demut auf den später anstehenden Rückweg. Voller Freude erreichte ich nach weiteren ein bis zwei Stunden die Anlegestelle Salet. Hier eröffnete sich mir eine Landschaft, die mehr an Kanada erinnert und voller Schwung wanderte ich in Richtung Ziel Obersee.

Seewirt Sankt Bartholomä
Seenlick Königssee

Schmerzvoller Rückweg

Als die Sonne hinter dem Gipfeln der angrenzenden Berge unterging wurde ich erinnert, das auf mich ein weiter Rückweg wartet und mir wurde klar, dass ich wohl die Option auf das letzte Boot an der Bedarfshaltestelle Kessel verspielt habe und auf mich der komplette Weg wartet.

Bäume am Königssee

Der März zeigte sich an diesem Mittwoch sehr sommerlich und die Temperatur war an den östlichen Hängen ohne Schatten schier hochsommerlich und mein Weg wurde zu einer Tortur. Dennoch nutzte ich auch hier die Möglichkeit besondere Motive einzufangen und fotografierte so auch hoch über dem See das letzte Boot, das sich ruhig den Weg durch das tiefblaue Wasser in Richtung Königssee bahnte. Letztlich erreichte ich fast zufällig auf die Minute genau 12 Stunden nach meinem Aufbruch den Parkplatz.

Schiff auf Königssee

Abschluss

Auf der Heimfahrt realisierte ich erst wie viel Kraft diese Tour gekostet hat und war dennoch überglücklich, die Route am Ostufer entlang geschafft zu haben. Am nächsten Tag blickte ich euphorisch auf das Ergebnis in meinem Lightroomkatalog und ich würde es wieder machen, getreu meinem Motto „Explore to create“.