Bauanleitung Abschatter - Rohre liegen am Boden Detail

DIY - Bauanleitung Abschatter

In diesem Beitrag zeige ich euch, wie ihr mit einem Budget von unter 30€ und etwas handwerklichem Geschick einen Abschatter in der Größe von 200 x 140cm baut. Bekannte Hersteller wie Sunbounce bieten eine solche Lösung für etwa 600€ an.  Wert habe ich darauf gelegt, dass der Abschatter zerlegbar und somit leicht zu transportieren ist. Ebenso habe ich während der Planungsphase darauf geachtet, dass das Endgewicht nicht zu schwer wird und der selbstgebaute Abschatter flexibel einsetzbar bleibt.  

Problematik

Als Fotograf habe ich bei Portraitaufnahmen im Freien oft das Problem, dass das Sonnenlicht zu stark auf das Modell scheint. Hierbei entstehen harte Schatten, Teile des Gesichtes und der Haare können ausbrennen.
Unter dem Begriff „ausbrennen“ verstehen Fotografen und auch Filmer, dass Bildinformationen verloren gehen und hier keine Struktur mehr erkennbar ist. Die aufgenommenen Flächen sind nur noch weiß oder auch nur schwarz. Diese Problematik tritt bei Sonnenlicht aber auch bei dunklen Flächen auf.

Die Kameratechnik liefert hier mit dem sogenannten Histogramm eine Hilfestellung an mit der sich bereits in der Kamera erkennen lässt, ob Stellen an Information verlieren. Dennoch muss man als Fotograf trotz modernster Kameratechnik mit kleinen Hilfsmitteln den Bildaufbau perfektionieren. Ein Abschatter in dieser Größe sorgt im Freien für eine Schattenfläche über dem Modell und erzeugt ebenso ein weiches und gleichmäßiges Licht. Zusätzlich kann man nun das Model mit Hilfe eines mobilen Blitzes leicht aufhellen und  es entsteht ein gleichmäßiges und vorteilhaftes Portrait.

Histogramm auf Kameradisplay
Bauanleitung Abschatter - Portrait im Freien ohne Abschatter
Bauanleitung Abschatter - Portrait im Freien mit Abschatter
Bauanleitung Abschatter - Material mit Schrauben, Rohren und Stoff

Schritt I.

Im ersten Schritt habe ich den Stoff am Boden ausgelegt und ihn nach meinen Plänen auf die Größe 200 x 140 cm gekürzt. Wichtig ist hier, dass man an den schmalen Seiten eine Stoff-Zugabe von etwa 20cm lässt, denn im zweiten Schritt wird aus der Stoff-Zugabe ein Tunnel genäht. Durch den Tunnel werden am fertigen Abschatter die Rohre geführt, die den Stoff halten und den festen Rahmen für den selbstgebauten Abschatter bilden. Am oberen und unteren Ende wird die Stofffläche mit Hilfe von Gummibändern fixiert. Die Gummibänder gewährleisten einen straffen Sitz des Stoffes.  

Bauanleitung Abschatter - Mann arbeitet am Boden

Schritt II.

Im zweiten Schritt werden die beschnitten Stoffkanten eingeschlagen und vernäht. Hier habe ich den Stoff mit ca. 2cm doppelt eingeschlagen und mit der Nähmaschine vernäht. Ebenso entstanden in diesem Schritt die charakteristischen Tunnel für die Marley HT-Rohre. Als Maß hab ich hier 20cm verwendet was final einen Tunnel mit 10cm ergibt. Dieser Stofftunnel wurde ebenso mit der Nähmaschine mit einer Doppelnaht vernäht.

Detailaufnahme Mann beim Nähen an der Nähmaschine

Schritt III.

Nach dem Vernähen der Stoffbahn geht es nun an die Anpassung der kurzen Rohre an den Kopfstücken. In diesem Schritt ist es wichtig, dass man die Rohre nicht zu kurz schneidet, damit der Stoff am Schluss straff am Rahmen aufgespannt ist.
Die Rohre aus Plastik habe ich mit einer Handmetallsäge gekürzt und mit feinem Schleifpapier gesäubert und entgratet. Ebenso möchte ich hier hinweisen, dass man unbedingt die Materialzugabe für die Muffen an den Bögen beachten muss.

Im Schritt III. werden Löcher an den Bögen gebohrt. Mit Hilfe von Schlossschrauben und Flügelmuttern bekommt der Rahmen aus Marley HT-Rohren Festigkeit und verdreht sich bei der Benutzung nicht. Ebenso ermöglichen die Flügelmuttern einen schnellen Auf- und Abbau. Die Bohrungen habe ich mit Hilfe eines Senkers geglättet. Diesen Schritt kann man auch mit Hilfe eines etwas größeren Bohrers erledigen.

Schritt IV.

Im letzten und vierten Schritt habe ich jeweils zwei Schlaufen aus Gummiband an die Stofffläche genäht. Die Bänder haben bei mir etwa eine Dehnung von 4cm und halten den Stoff in seiner Position.
Final habe ich den Rahmen aufgebaut und mit den Schrauben verstärkt. Nun ist euer selbstgebauter Abschatter einsatzbereit und ihr könnt im Freien hochwertige Aufnahmen von euren Modellen produzieren.

Mann beim Bohren von Löchern Akkuschrauber

Abschluss und Ausblick

Das erste kleine Shooting mit dem selbstgebauten Abschatter verlief sehr zufriedenstellend. Wie sich der Abschatter im Langzeittest gibt, wird sich in den nächsten Wochen und Monaten zeigen. Dennoch bin ich zuversichtlich und denke, dass der Abschatter einen festen Platz in meiner Ausrüstung bekommt. Außerdem freut es mich, dass ich diese Idee selber, mit überschaubaren Budget und Zeit in Eigenleistung umsetzen konnte.
Ebenso klar ist aber auch, dass dieser Rahmen nicht alleine benutzbar ist, sondern einen Assistenten am Set verlangt. Darum werde ich diesen Abschatter nur bei größeren Projekten einsetzen und in Zukunft bei spontanen Portraits eher den natürlichen Schatten suchen.

Ich wünsche allen Bastlern und Fotografen viel Spaß beim Nachbauen und freue mich über eine kurze Rückmeldung oder Fotos eurer Abschatter.

Abschatter im Freien am Obstbaum
Abschatter zerlegt für den Transport